Ihr seid hier nicht in Afrika!

Kommentar von Roman Thilenius

Oktober 2012. Eine äthiopischstämmige Familie gerät in eine Fahrkartenkontrolle in Frankfurt. Einen gültigen Fahrausweis hat der Siemens-Ingenieur Derege Wevelsiep natürlich dabei und zeigt ihn auch vor. Doch der Sicherheitsdienst der Verkehrsbetriebe will auch den Personalausweis sehen.

Schließlich kommt die Polizei. Sie durchsucht den Mann, nimmt ihn in Gewahrsam, fesselt ihn, beleidigt, schlägt, und tritt ihn. Seine Geschäftsunterlagen gehen bei der Aktion teilweise verloren.

Während der Vater noch in Gewahrsam ist, verschafft sich die Frankfurter Polizei gewaltsam Zutritt zur Privatwohnung und überfällt die Mutter und den dreijährigen Sohn, rauben der Frau ihren Personalausweis und nehmen ihn mit.

Die nächsten drei Tage wird Herr Wevelsiep im Krankenhaus verbringen, und auch dort wird er von den beteiligten Polizisten mehrfach bedroht. Der Klinikleiter schmeißt die Polizei schließlich raus.

Immerhin: Da das Fahren mit gültiger Fahrkarte in Deutschland kein Straftatbestand ist, wird gegen den Mann nicht ermittelt.

Ebenfalls lobend erwähnt werden muss wohl auch die Tatsache, dass nicht von der Schusswaffe Gebrauch gemacht wurde, und dass wenigstens das Kind nicht zu Schaden kam.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat die Frankfurter Polizei mit den Ermittlungen gegen die Frankfurter Polizei beauftragt. Das ist ungefähr das, was ich auch tun würde, wenn ich kein Ermittlungsergebnis haben möchte.

Regel Nummer Eins: Bei der Frankfurter Polizei gibt es kein Rassismus-Problem. Regel Nummer Zwei: Dort, wo es doch eines gibt, tritt Regel Nummer Eins in Kraft.

Artikel in der Frankfurter Rundschau

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